Gotteslästerung
24. April 2008P: Warum ist Gott unsterblich?
F: Weil er sich sonst schon längst das Leben genommen hätte!
P: Warum ist Gott unsterblich?
F: Weil er sich sonst schon längst das Leben genommen hätte!
Die Brückenstrasse 1a, mein Heim, gelegen gegenüber des Naturbekleidungladens Yuan im Hinterhof von Willis Angelladen. Dort, wo Kalle und Mani den ganzen Tag biersaufend aus dem Wohnzimmerfenster glotzen, ein paar Ecken weiter das osteuropäisch sprechende Kopftuch mit forscher Stimme die hauseigene Fussballmannschaft zusammenscheisst und der bereits halbgerupfte, dem Kochtopf wohl im letzten Moment durch einen Sprung in den Schminkkoffer entkommene Vogelstrauß, herrenlos, den Catwalk unnachgiebig hoch und runter stakst. Die Spannung steigt, der Schlüssel passt, ich bin zu Hause. Herrlich warm ist es in der Bude. Schön wenn die Heizung funktioniert, noch schöner ist es allerdings wenn sie nicht mehr gebraucht wird. Gut, jetzt bin ich doch wieder vom Thema abgekommen. Zurück zur Weihnachtsgeschichte. Es ist der 24.12. und das erst seit eineinhalb Stunden. Ich hingegen liege schon seit geraumer Zeit im Bett und versuche meinen Schlaf zu finden, was mir offensichtlich nicht so recht gelingen mag. Dabei wütet in mir seit Tagen der gefährlichste Grippevirus, der je die Sahelzone im Schutze einer riesigen Staubwolke verlassen, und so mit den Gebrüdern Wind in den gelobten Kontinent Europa einfallen konnte. Somit wäre eine geruhsame Nacht angebracht und aus Sicht meines fiebrigen Körpers mehr als selbstverständlich. Trotzdem bin ich wach. Ist es etwa die Vorfreude auf den Abend, die Bescherung? Noch vor drei Stunden habe ich am Bildschirm mitverfolgt wie die spanische Armada von der zahlenmässig unterlegenen Kriegsmarine der Engländer unter dem Kommando von Charles Howard und Francis Drake vernichtend geschlagen wurde. Kaum schliesse ich nun meine Augen, finde auch ich mich im 16. Jahrhundert wieder. Da kniet die „Virgin Queen“ Elizabeth I vor einem goldenen Altar und bittet Gott den Allmächtigen um Beistand in der bevorstehenden Seeschlacht. Dort tippelt Philip II, König von Spanien, wehklagend in brusthohen Reiterstiefletten durch die königlichen Gemächer. Hinter ihm seine Tochter Isabell. Ein junges Mädchen, die königlichen Gesichtszüge sind nicht zu übersehen - da geht was! Im Hintergrund, mal lauter, vernehme ich urplötzlich das helle Quaken eines Frosches. Der Tonlage nach ein recht zierliches Exemplar und deswegen auch schwer auszumachen inmitten all der historischen Persönlichkeiten, die Einlass in mein Zimmer gefunden haben. Es braucht noch ein wenig Zeit, doch dann wird mir mit einem Schlag klar, der Frosch entstammt einer anderen Welt. Mit dieser Erkenntnis greife ich nach dem quakenden Vierbeiner und sage laut „Hallo?“. Am anderen Ende der Leitung wartet Rolf. Er sei gerade aufgestanden und wolle jetzt einen leckeren Kuchen backen, teilt er mir gütigerweise mit. Ich werfe einen Blick auf die Uhr. Es ist kurz vor zwei, mitten in der Nacht. Während hier von mir die spanische Armada auf den Meeresgrund befördert wird, wird dort von Rolf ein leckerer Kuchen gebacken. Der Gedanke hält mich noch ein Weilchen wach, dann schlafe ich ein.
Der nächste Morgen. Eine Stunde. Das muss zu schaffen sein. Mein Ziel ist die Universitätsbuchhandlung „Bouvier“ in Bonn. Die Sonne scheint, der Bus ist pünktlich. Alles läuft wie geplant. Moment. Der Busfahrer hat widererwartend weder eine rote Zipfelmütze auf dem Kopf, noch trägt er einen schneeweissen Bart. Auch sitzt er nicht auf einem riesigen Sack Geschenke und anstatt eines tiefen „Hohohos“ begrüsst er mich lediglich mit einem lautlosen Furz. Schnell gehe ich an ihm vorbei und lasse mich auf einem freien Platz nieder. In den Gesichtern der übrigen Fahrgäste erkenne ich die gleiche Enttäuschung, die nun auch mir ins Gesicht geschrieben steht. Niemand hatte den Weihnachtsmann in Gestalt eines lautlos furzenden Busfahrers erwartet. Armer Kerl, wahrscheinlich wird er den hohen Ansprüchen seiner Fahrgäste nie gerecht. Ein Grund zu kündigen? Während der Bus gemächlich durch die engen Gassen von Endenich kurvt, hänge ich meinen Gedanken nach. Ob der Kuchen von Rolf was geworden ist? Dann nähern wir uns der Haltestelle „Sebastianstrasse“. Das ist ohne Frage der Highlight einer jeden Busfahrt. An der Haltestelle wartet zwar immer noch nicht der richtige Weihnachtsmann, dafür aber eine verwegene Gestalt mit ordentlich gesetztem Rechtsblinker1. Die Gestalt ist, gleichwohl der frühen Stunde, bereits voller als Mani und Kalle zusammen sein werden, wenn ich Ihnen später auf dem Nachhauseweg begegnen werde, oder anders, hat mehr Dampf im Kessel als das osteuropäisch sprechende Kopftuch beim Straftraining seiner Mannschaft. Die Gestalt klettert also in den Bus als wäre dieser ein “One-way-Ticket- Gefangentransport in die Karibik, auf Guantanamo. Doch noch bevor er einen Sitzplatz anpeilen kann, fährt der Bus scharf an. Dann verläuft alles rasend schnell. Unsanft wird die Gestalt aus ihren Galoschen gehebelt und fliegt ungebremst durch die Fahrgastkabine. In den aufgewirbelten Staubteilchen, die seine parabelförmige Flugbahn perfekt nachzeichnen bricht sich das einfallende Licht der Sonne und für den Moment sehe ich darin den Stern Bethlehems. Weihnachtliche Vorfreude überkommt mich, während die erschrockenen Fahrgäste dem frisch ausgewiesenen Ikarus versuchen auszuweichen. Zwei an sich freundliche Metallstangen, weiter hinten in der Kabine, besitzen eben diese Freiheit nicht. Der weihnachtliche Flug des Ikarus endet somit recht aprubt. Aua! Verdutzt über seinen Auftritt erblicke ich die mit wohlgeformten Einschußloch verziehrten Galoschen des Ikarus, welche nach wie vor qualmend am Einstieg des Busses ausharren. Absolute Klassiker, die sich in jedem schlechten Western gut machen würden. Für den Moment herrscht Stille, doch dann hat Ikarus sich wieder aufgerappelt. Laut fluchend kommt er auf den Busfahrer zugewankt. Der verbeulte Rechtsblinker ist in eine hochfrequente Warnblinkanlage übergegangen. Sein Fluchen wird noch lauter, als er unbeholfen versucht zurück in seine Galoschen zu finden. Den Busfahrer scheint es wenig zu kümmern. Ohne Kommentar fährt er weiter. Der Rest der Weihnachtsgesellschaft übt sich in stillem Weggucken. Kurzerhand entscheide ich auszusteigen.
Die Innenstadt ist gefüllt mit Menschen. Trotzdem sind meine Einkäufe schnell erledigt und schon befinde ich mich auf dem Rückweg zur Bushaltestelle. Noch einen kurzen Routineblick ins Bonner Loch und ab nach Hause. Auf den kalten Treppen entdecke ich den Warnblinker wieder. Friedlich steht er da und labt sich an einem Exportgut der Firma „Oettinger“. Alles in bester Ordnung. Weihnachten eben. Zuhause angekommen telefoniere ich kurz mit Rolf. Der Kuchen sei noch nicht fertig, stattdessen die Gans mit Erdnussbutter. Ein wahrer Gourmet dieser Rolf. Ich tippe noch kurz eine Weihnachts-SMS mit folgendem Wortlaut: Gutes rafft der Virus hinweg, während er Böses alljährlich in den Arsch …! Frohes Fest Jong!“ Ob der Empfänger damit was anfangen kann wird sich zeigen.
1 Veilchen am rechten Auge
In den USA hat ein vierjähriger Junge seine Eltern auf Schadenersatz in Höhe von 20.000.000 US Dollar verklagt. Einem Bericht zufolge soll der Junge in seinen ersten drei Lebensjahren von seinen Eltern zur vermehrten Nahrungsaufnahme gezwungen worden sein. Obwohl er mit drei Jahren bereits die 100 kg Marke überschritten hatte, fütterten ihn die Eltern weiterhin mit ausgiebigen Mahlzeiten. Die Mutter des Jungen, Eve McVain, kann den ganzen Ärger überhaupt nicht nachvollziehen. “Er hatte es doch so gut bei uns” gab sie in einem Interview bekannt. “Ich verstehe gar nicht warum er uns das antut. Wir wollten doch stets sein bestes!” Auf die Frage, warum ihr Sohn mit vier Jahren bereits den 3. Bandscheibenvorfall zu verzeichnen hätte, gab sie lediglich an, der Kleine sei eben schon immer vom Pech verfolgt worden.
(Die) “Mannschaft”, wie Jogis Elf im Ausland gerne genannt wird, hat gestern Abend, den 17.10.2007, im 11. EM Qualifikationsspiel gegen das Team aus Tschechien, unter der Regie von Karel Brückner, in so manchem deutschem Haushalt für Verwirrung gesorgt. Ausgelöst wurde diese durch ein Tor in der 2. Minute, welches vom tschechischen Riesenbaby Jan Koeller clever vorbereitet und von Mittelfeldstar Libor Sionko verwandelt wurde. Während nach Spielende in der tschechischen Republik der wohlverdiente Endstand von 0:3 feucht fröhlich gefeiert wurde, erlebte Fussballdeutschland eine selten trockene und kalte Nacht. So richtig laaaang wurden die Gesichter jedoch erst, als sich die ehe schon demotivierten Fans am nächsten Morgen auf den Weg zur Arbeit machten. Sie versammelten sich, ob sie wollten oder nicht, allesamt auf den Bahnsteigen der Bahnhöfe. Die Lokführer hatten die Gunst der Stunde genutzt und waren kurzerhand in den Streik getreten. Jeder zweite Zug entfiel und somit war das Chaos perfekt. Die von der “Mannschaft” am Abend zuvor hervorgerufene Verwirrung ergiff die Fans ein weiteres Mal. Es wurde lauthals diskutiert, geschumpfen und Spieler und Logführer verflucht. Um es auf den Punkt zu bringen: es roch verdammt noch mal nach Scheisse!
Vor allem in der Bundeshauptstadt, in Berlin. Dort wurde der Arbeiterkampf auf eine ganz eigene Art ausgefochten. Während den arbeitstüchtigen Fussballfans schnell klar wurde, dass an diesem Morgen mehr als nur drei Züge entfallen würden, war im Bahnhof selbst von Seiten der bahnstreikenden Logührer nichts zu sehen, gar nichts. Doch ist dies wiederum keinesfalls verwunderlich, wenn man bedenkt welch aggressive Stimmung den im Arbeitskampf befindlichen Logführern entgegengeschlagen wäre. Oder würden Sie als Schiedsrichter in einen Zug voller Fans steigen, deren Verein, das von Ihnen gepfiffene Spiel, soeben verloren hätte? Bestimmt nicht. Deswegen blieben die Berliner Logführer heute morgen auch zu Hause und verfolgten die Schlagzeilen des vergangenen Fussballabends auf der Mattscheibe. Bleibt jedoch zu klären inwiefern das 0:3 der “Mannschaft” mit dem Streik der GDL Mitglieder am heutigen Donnerstag in Verbindung steht? Man munkelt, dass u.a. Lukas Pomatzki (der Name wurde von der Redaktion abgeändert) seit frühster Kindheit den Traum verfolgt Logführer zu werden.
Einst ausgezogen, um in den Salzwüsten Südamerikas nach Wasser zu graben, zählt sein heutiges Wigwam, gelegen im Osten der Republik, inmitten immergrüner Wiesen und Wäldern, hunderte, wenn nicht tausende Geweihe. Experte für interaktionäre Kultur und Kulturaustausch, dem Labyrinth des dreibeinigen Widders der Schwäbischen Alp entkommen und seine Tätigkeit als Nikolaus auf Zeit sind nur drei vieler Meilensteine, die sein Leben auszeichnen. Allerdings haben eben diese sein Wesen nachhaltig geprägt. Die Rede ist, ich sage es ganz unverblümt, von der Uschuschimuschi, dem flambierten Kastanienknacker in rosa Söckchen.
Die deutsche Salatkuh trifft man heutzutage nur noch selten an. Vereinzelte Exemplare existieren in deutschen Vorgärten und/oder auf knackigen Salatkopffeldern in der Eifel. Eine Expertengruppe von Tierschützen, Landwirten und Tierpsychologen ist nun von der Bundesregierung damit beauftragt worden neue Weideplätze für das vom Aussterben bedrohte Tier zu erschliessen und es gegebenenfalls “auszusiedeln”. Alle Bürger sind aufgerufen das Projekt zu unterstützen. Wer ein Tier in seinem Garten aufnehmen kann, der kann sich hier weiter informieren oder einfach ein sentsprechendes Kommentar auf dieser Seite hinterlegen. “Ausgesiedelt” wird selbstverständlich frei Haus und rund um die Uhr! Es sei noch darauf hingewiesen, dass Salatkühe sich ausschliesslich von Bio Produkten ernähren. Ihr Organismus ist bekanntlich extrem empfindlich und anfällig.